

Eselwandern: Entschleunigt auf der Esel Trail Challenge
Gelassenheit, Genießen, Komfortzonen überschreiten... Fünf Tricks, die man sich abschauen kann, wenn man Esel durch die Berge führt.
Einen Tag vor dem längsten, härtesten, schnellsten Berglauf des Kleinwalsertals setze ich ganz auf Entschleunigung. Als Herbert, Ida, Lilly, Milan und ich uns zum ersten Mal beschnuppern, haben sie schon ein paar Tage Höhentraining hinter sich. Sie sehen stark aus, ausgeglichen und für jede Schandtat bereit. Beste Voraussetzungen also, wenn vier Flachland-Esel und fünf Eselführer wandern gehen!
Immerhin: Die Holzbrücke, vor der die Esel am ersten Tag noch gestreikt haben, ist jetzt machbar. Doch ansonsten wird die erste Stunde unseres Ausflugs schon zur ersten Dehnprobe für die Geduldsfäden. Es dauert, bis die Esel in den Trott kommen. Bleibt einer stehen, rührt sich auch der Rest der Truppe nicht mehr vom Fleck. Ist man unaufmerksam, nutzt gleich einer die Gelegenheit zur Fress-Flucht an den grünen Wegrand. Also alle Aufmerksamkeit auf den Esel am Strick lenken. Das merkt er, genießt er und braucht er.
Die Anweisungen der Eselführer sind ruhig aber bestimmt. Man darf gelegentlich nachgeben, wenn der kräftige Kopf wieder Richtung Wegrand zieht. Doch nicht jedes Mal. Bald lernt man, was die Leibspeisen auf dem satten Menüplan sind: Mineralstoffreicher Schachtelhalm, knusprige verwelkte Buchenblätter, von denen sie fast so schwer loszureißen sind wie ich von der Chipstüte.
Endlich erreichen wir aufregenderes Gelände. Das erfordert Trittsicherheit, sowohl bei Mensch als auch Tier. Doch Ida wird auf den schmalen Wegen nervös. Wir sind kurz davor umzukehren, unternehmen dann aber noch einen letzten Versuch: Sie darf frei laufen. Die neu gewonnene Freiheit schmeckt ihr. Sie bleibt seltener stehen, läuft im Gänsemarsch brav hinter den anderen her, hat die nächsten Tritte gut im Blick. So macht es allen wieder Spaß.
Die Esel nehmen die 180°-Kehrtwende mit stoischer Gelassenheit. Ohnehin habe ich das Gefühl, dass ihnen der Ausflug in die Walser Wildnis nicht so schlecht gefallen hat. Raus aus der Komfortzone Feldweg – auf zu neuen Gräsern! Ich nehme mir ein Beispiel an ihnen, genieße noch die letzten Minuten durch das aufregende Gelände, bis wir wieder auf die altbekannten Feldwege gelangen. Und trotz allem: Zurück am Mahdtalhaus wirken alle sehr zufrieden.










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